NEFZ, WLTP und RDE

Oder: Warum der „Neue Europäische Fahrzyklus“  nicht mehr neu ist.

Was der neue VW up! GTI und der ebenso neue Audi A7 50TDI im Jahr 2018 gemeinsam haben?

Beide sind jeweils das erste nach WLTP zertifizierte Modell der Marken Volkswagen und Audi.

Doch was genau ist eigentlich „WLTP“ und welche Auswirkungen hat das konkret für unsere Kunden?

Zum Messen von Verbrauch und Abgaswerten schreibt der Gesetzgeber genormte Prüfverfahren vor. Erinnern Sie sich noch an die DIN Angaben für den Verbrauch bei 90 oder 120 km/h? Die wurden abgelöst durch den „Neuen Europäischen Fahrzyklus NEFZ“ – und der ist seit „WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure)“ eben nicht mehr neu.

Die Testprozedur nach WLTP ermittelt unter immer gleichen Rahmenbedingungen  die CO2- und Verbrauchswerte und die Abgasemissionen eines Fahrzeugs. Für die Typzulassung neuer PKW gilt das neue Verfahren bereits seit 01.September 2017 EU-weit. Die Werte sind so für modell- und markenübergreifende Vergleiche geeignet.

Beim Prüfstandard WLTP wird stärker beschleunigt und schneller gefahren als beim NEFZ (Max. Geschwindigkeit jetzt 132 statt zuvor 120 km/h, die Durchschnittsgeschwindigkeit steigt um 12,9 auf jetzt 46,5 km/h). Damit sind die Angaben näher an den im Fahralltag zu erwartenden Werten und damit nach WLTP höher als nach NEFZ.

Der tatsächliche Verbrauch Ihres Fahrzeugs ändert sich natürlich nicht, denn er ergibt sich weiterhin aus Ihrem persönlichen Fahrstil, den Einsatzbedingungen und dem Wartungszustand von Ihrem Fahrzeug.

Katalog- und Auszeichnungsangaben, d.h. die „theoretischen Werte“ nach Prüfverfahren, ändern sich für jedes Fahrzeug, der „Verbrauch auf der Straße“ nicht.

Der in der EU, Indien und Japan entwickelte WLTP hat das Ziel, realistischere Angaben zu Verbrauch und Emission zu machen. Im Vergleich zum „NEFZ“ ist neu, dass der Einfluss von Fahrzeuggewichtsänderungen durch Zusatzausstattung und de Luft- sowie Rollwiderstand berücksichtigt wird. Aus diesem Grund weist der WLTP eine Spanne zwischen verbrauchsgünstigster und Maximalausstattung aus, in der sich jeweils die individuelle Konfiguration bewegt.

Nicht geändert hat sich die Messung per Rollenprüfstand unter Laborbedingungen. Dabei ist man geblieben, um reproduzierbare und wie oben schon erwähnt modell- und markenübergreifend vergleichbare Werte zu liefern.

Anders ist es beim den WLTP ergänzenden RDE (Real Driving Emissions) Test, mit dem NOx (Stickoxide) und Partikel (Feinstaub) gemessen werden. Diese Straßentests haben jedoch eine zu große Streuung, um zur Kundeninformation dienen zu können.

Für bereits zugelassene Fahrzeuge bleiben die NEFZ-Werte maßgeblich.

Ab September 2018 müssen alle neu zugelassenen Fahrzeuge nach WLTP geprüft sein. Für die Zulassung von Fahrzeugen, die nach NEFZ geprüft wurden gibt es Ausnahmegenehmigungen, mit der eine Neuwagenzulassung noch bis zum 31.08.2019 möglich ist.

Wie bereits geschildert ändert das neue Prüfverfahren WLTP nichts am Realverbrauch, da es lediglich ein geändertes Messverfahren ist.

Die durch WLTP höher dargestellten CO2-Werte können jedoch zu einer erhöhten Kfz-Steuer führen. Aktuelle Informationen dazu finden Sie bei dem KFZ Steuerrechner des Bundesministeriums für Finanzen unter dem externen Link

http://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Service/Apps_Rechner/KfzRechner/KfzRechner.html

Als Kunde können Sie anhand der Zulassungsbescheinigung Teil I (früher auch Fahrzeugschein genannt) erkennen, welcher der sechs verschiedenen EURO6 Normen ihr Fahrzeug entspricht:

Euro6b und 6c erkennen Sie an der Emissionskennung –W oder –ZD im Feld 14 der Zulassungsbescheinigung. Diese Fahrzeuge sind nach NEFZ geprüft.

Finden Sie die Emissionskennung –AD, entspricht der Wagen ebenfalls EURO6c, ist jedoch nach WLTP zertifiziert. EURO6-TEMP ist durch die Kennung –AG (ab 01.09.2018) bzw. –BG (ab 01.Sep.2019) zu identifizieren.  Euro 6d mit der Kennung –AJ im Feld 14 ist für die Erstzulassung von Fahrzeugen ab 01.Januar 2021 erforderlich.